Rezension: Die andere Seite der Nacht
Die Autorinnen Andrea Herrmann und Sandra Rehschuh
Dieser Lyrikband entstand auf eier zweimonatigen Reise, bei der Eva Schwarz Abstand nahm von den alltäglichen Sorgen,
der Furcht, den Sachzwängen und falschen Kompromissen. Es ging nur noch der Sonne entgegen!
Aus dieser Losgelöstheit der Reisenden entstanden harte Appelle, die von Ausrufezeichen eingerahmt,
Substantive auftürmen und die Schlechtigkeit der Welt betonen, die sie zurück gelassen hat. Antike Mythologie
und moderne Maschinenwelt greifen schmerzhaft ineinander, um sich zu düsteren Weltuntergangsszenarien zu vermischen.
Alle Farben des Leids und des Schmerzes fließen von Eva Schwarzs reichhaltiger Palette.
Der Band schließt mit drei Märchen ab.
Andrea Herrmann
Die Dresdner Autorin Sandra Rehschuh schreibt:
»Die andere Seite der Nacht« von Eva Schwarz zog mich bereits ab dem Cover in ihren Bann. Darauf ist ein Fenster zu sehen, dass zu einer Ruine zu gehören scheint. Innen ist es dunkel, außen hell. Aber was ist innen, was ist außen?
Eine Sache der Betrachtungsweise.
Und um Betrachtungen, Gefühle und Hinterfragen geht es in diesem Buch.
Eva Schwarz, welche sich auch in verschiedenen Anthologien des cenarius Verlages (www.cenarius-verlag.de) wiederfindet, nimmt uns mit auf eine Reise. Eine Reise in die Gedanken, in das Nachdenken. Mehr als einmal musste ich innehalten, um einen Text erneut zu lesen. Denn nur dann fand ich immer interessantere Aspekte, über die es sich lohnte, nachzudenken. Innehalten, den Text auf sich wirken lassen und dabei vergessen zu atmen. Eva Schwarz gelingt es meisterlich, den Leser aus seinem eintönigen Alltag herauszureißen und ihm dabei die Augen zu öffnen.
Eva Schwarz spricht Dinge an, ohne sie bei Namen zu nennen und doch weiß man sofort, was sie damit meint.
So trifft der Leser in diesem Buch unter anderem auf die Hydra, Clowns und sie Sehnsucht. Das Spektrum der Texte ist ungemein breit gefächert, so dass sich für jeden Leser etwas findet. Und wer denkt, solch ein Buch nicht lesen zu müssen, oder das es nicht zu ihm passt, dem empfehle ich, einmal genauer hinzuschauen.
Die Worte fließen dahin, ziehen einen mit und man kann das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.
Zudem nimmt Eva Schwarz uns mit auf eine Reise. Sie schreibt von Kakteen und Eisbergen, Stonehange und Seen. Sie zaubert Bilder in die Köpfe und man weiß sofort, wohin die Reise führt. Man lehnt sich zurück und findet sich an jenen Orten wieder, welche die Autorin beschreibt, ohne sie zu nennen.
Erst am Ende des Buches las ich, dass die meisten Texte auf ihren Reisen durch Großbritannien und die Vereinigten Staaten entstanden. Dies zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen – denn genau dahin hatte ich mich beim Lesen ihrer Texte geträumt.
In dem 117 Seiten starken Taschenbuch überwiegen die Gedichte. »Der Schrei« ist mein absoluter Lieblingstext, steckt doch so viel Kraft und Wahrheit darin, dass ich ihn immerzu lesen musste.
Die Lyrik wird aufgelockert von Kurzprosa, die einen über ein bis zwei Seiten tief in ihren Bann zieht.
Und dann entdeckte ich noch ein zusätzliches »Bonbon«. Eva Schwarz schreibt nicht nur wunderbare Gedichte, und Kurzprosa, sondern sehr schöne Märchen/ Sagen. Diese finden sich im hinteren Teil des Buches und lockern, auch wenn sie ebenfalls zum Nachdenken anregen, das Buch auf.
Kurzum: Hier findet wirklich jeder etwas für seinen Geschmack.
Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet. Das Cover sprach ich bereits an. Aber auch die Texte sind sehr schön und interessant gestaltet, so wie ich es bisher bei keinem anderen Verlag gesehen habe. Die Gedichte sind nicht nur einfach geradewegs herunter geschrieben, wie man es gewohnt ist. Nein, hier hat man aus den Strophen selbst kleine Kunstwerke gezaubert.
Die Titel sind hervorgehoben, in dem man einen dunklen Balken darunter legte und die Schrift weiß druckte. Dies bildet einen wunderschönen Kontrast zum Rest der Seite und fällt sofort ins Auge.
Auch die sonst vernachlässigten Seitenzahlen rückte der Verlag ins richtige Licht.
Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses kleine Meisterwerk bald zahlreiche Leser findet und möchte der Autorin meinen tiefsten Dank aussprechen, dass sie den Mut fand, solche Text zu verfassen.





